TKKG feiert in diesem Jahr ihr 30jähriges Bestehens-Jubiläum. Porsche-Hubi vom www.tkkg-board.de hat diese Gelegenheit für einen persönlichen, subjektiven Rückblick beim Schopf gepackt.

Wir freuen uns, euch diesen hier präsentieren zu können:

30 Jahre TKKG – ein (auch persönlicher) Rückblick

30 Jahre sind eine verdammt lange Zeit. Erst recht für eine Jugendbuch-Serie. 1979, das ist eigentlich schon unfassbar lange her. Die Welt und auch Deutschland sahen ganz anders aus als heute. Kalter Krieg, der „Deutsche Herbst“ noch frisch in Erinnerung, der zweite Weltkrieg auch etwa 30 Jahre vorbei, nur um die Zeitdimension zu verdeutlichen. Bank und Post waren noch staatlich, im Fernsehen flimmerten gerade mal 3 Programme in die bundesdeutschen Haushalte, ein Computer für zuhause war ein kostspieliges Luxusspielzeug für eine kleine Minderheit von begabten Elektronik-Bastlern. Wer das Glück bzw. das Interesse hat, ältere Folgen von „Tatort“, „Derrick“ oder anderen Serien aus dieser Zeit zu sehen, kann sich ein ganz gutes Bild davon machen, wie deutsche Wohnstuben und deren Bewohner damals üblicherweise ausgesehen haben.

In diese Zeit hinein pflanzt Vielschreiber und Pseudonym-Weltrekordler Rolf Kalmuczak seine neue Serie: TKKG. Die ersten 8 Bände aus den Jahren 1979 und 1980 atmen noch den Geist der ausklingenden 70er Jahre. Allen voran „das Paket mit dem Totenkopf“, dessen Hauptmotiv mit „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ übereinstimmt. Darüber hinaus enthält das Buch eine sehr intensive Szene, die im Hörspiel nicht vorkommt. Und so sehr man TKKG auch Pauschalität, Klischees und Stereotypen vorwirft (größtenteils zu Recht) – bei Themen wie Drogen und Terrorismus finde ich persönlich eine solche schwarzweiß-Darstellung nicht besonders schlimm.

Wolfs erfrischender Schreibstil

Weiterhin sind diese ersten Buchfolgen – meiner persönlichen Meinung nach – auch heute noch sehr erfrischend geschrieben (die etwas später gestartete Serie „Funk-Füchse“ liest sich jedenfalls deutlich altbackener). Inhaltlich findet relativ viel im Internat statt, Tim heißt noch Tarzan und ist keine unbesiegbare Kampfmaschine, sondern „nur“ ein überdurchschnittlich sportlicher und entwickelter 13-jähriger.

1981 ist insoweit ein bemerkenswertes Jahr, als dass gleich 9 Buchbände erscheinen und auch die Hörspielumsetzungen auf den Markt kommen. In Sachen Inhalt hat die Serie da bereits einen kleinen Teil ihrer Unschuld verloren – TKKG wird in sich selbstverständlicher, die Themen gleichzeitig etwas härter: es geht nicht mehr nur gegen Rocker und doofe Gelegenheitsdiebe, sondern auch gegen organisierte Kriminalität und Straftaten größeren Kalibers. 1982 normalisiert sich der Buch-Output etwas, es kommen „nur“ 5 neue Bände. Der inhaltliche Kurs wird ausgeweitet: einerseits eine „beschauliche“ Fl ußfahrt und ein freilaufender Tiger, andererseits Industriespionage, Mafia, Mord und Totschlag.

Eines haben aber alle Buchbände gemeinsam, und zwar unabhängig von der Grundidee der jeweiligen Geschichte: nämlich Kalmuczaks Fähigkeit, die Handlungsorte- und Abläufe ungemein bildhaft auszuschmücken – und zwar ohne großes Herumgeschwafel. Im Gegenteil, sein Schreibstil wirkt ganz selbstverständlich, auch Details und Kleinigkeiten haben einen gewissen Stellenwert.

Ein weiteres Merkmal, die multiplen (kriminellen) Handlungsstränge, die erst relativ spät zu einem Gesamtbild zusammengefügt werden, werden in dieser Zeit verstärkt dargeboten. Ganz im Gegensatz zu den Frühwerken, die allesamt noch relativ linear geschrieben sind.

Die Ausweitung des TKKG-Kosmoses

tkkg_tb_0041983 und 1984 schließlich erscheinen die Taschenbücher: Sie bieten zwar nur 2/3 des Umfangs eines normalen Hardcover-Bands, allerdings zum entsprechend günstigeren Preis. Ab diesem Zeitpunkt laufen leider die Nummerierung von Büchern und Hörspielen auseinander. Aus der Retrospektive betrachtet, stellen die Taschenbücher den Auftakt zur besten Phase im TKKG-Kosmos dar, ich persönlich bezeichne sie als „lässig-ironische Phase“. Sie ist geprägt von viel Ironie und Kalauern der 4 Hauptdarsteller untereinander. Aber auch der eine oder andere Kriminelle oder Zeuge bekommt sein Fett weg. Tim ist nach wie vor der Wortführer, bekommt aber gelegentlich auch Contra. Klößchen und Karl tragen zwar meist wenig zur Klärung eines Falls bei, glänzen aber doch durch witzige Sprüche und Bemerkungen.

Lässig-ironische Phase

1985 und 1986 setzt sich die lässig-ironische Phase fort – und auch nach fast 50 Episoden bestechen die Geschichten immer noch durch neue Grundideen. Damit nicht genug – innerhalb einer Episode gibt es nun vermehrt drei oder gar vier Handlungsstränge, und der Buchtitel reflektiert zumeist nur einen einzigen davon. In den dazugehörigen Hörspielumsetzungen fallen diese multiplen – und bisweilen nicht unkomplexen – Handlungen meistens der Schere zum Opfer, was durchaus nachvollziehbar ist. Wer die Bücher verschmäht und nur die Hörspiele kennt, dem entgeht in dieser Phase so einiges. Nichtsdestotrotz stellen auch die Hörspiele dieser Ära echte Highlights dar und sind unbedingt hörenswert.

Dies ganze gilt noch viel mehr für die Jahre 1987 und 1988 – hier haben die Bücher mit den Hörspielen und den Folgen der TV-Serie oftmals nur den Titel und 20-30 Textseiten gemein. In ganz besonders schweren Fällen, beispielsweise bei „Überfall im Hafen“ und „Bombe an Bord“ tauchen in den Hörspielen plötzlich ganz neue Personen auf oder der Handlungsort wird mal eben von Italien nach Deutschland verlegt.

1989 steht das erste Jubiläum an – 10 Jahre TKKG. Gefeiert wird mit dem Doppelband Nr. 50 und einer Serie von 10 Doppelhörspielen. Die Lockerheit und Ironie der vorherigen Jahre kommt aber leider Stück für Stück abhanden. Auch bei den Hörspielen ist ein Bruch erkennbar, vermutlich aufgrund produktionstechnischer Umstellungen. Die MCs klingen jedenfalls deutlich „dünner“, den Stimmen fehlt Volumen, manche Passagen sind derart leise aufgenommen dass man sie kaum verstehen kann. 1990 und 1991 schreitet der Qualitätsverlust langsam voran, um mit „Spuk aus dem Jenseits“ einen ersten absoluten Tiefpunkt zu erreichen. Die Hörspiele jener Ära sind von der Qualität der früheren Folgen schon deutlich entfernt, die Ära der guten Hörspiele endet für mich bei Folge Nr. 63.

Die ersten Tiefpunkte

1992 erscheinen immerhin noch 4 neue Buchbände, 1993 und 1994 je 2, und 1995 schließlich kein einziger. Ist die Serie beendet ? Nein, denn Kalmuczak verlegte sich kurzzeitig darauf, Hörspielfolgen zu schreiben. Hörspiel Nr. 91 ist das erste ohne Pendant bei den Buchfolgen – Buchserie und Hörspielserie driften vollends auseinander. Inhaltlich stellen die 90er Folgen einen einzigen Tiefpunkt dar, der die vorherigen Hörspielfolgen im Nachhinein schon wieder deutlich besser dastehen lässt.

Ab 1996 stabilisiert sich der Buch-Output wieder auf zunächst 4 Folgen pro Jahr, Kalmuczak recycelt sich selbst und integriert ein paar der Tom+Locke Tramp-Abenteuer in die TKKG-Buchserie. Für echte Fans ein merkwürdiges Gefühl, die gleiche Geschichte mit anderen Hauptdarstellern erneut zu lesen. Gehen dem Autor die Ideen aus ? Es scheint so. Mit „Vermisste Kids und Killerpflanzen“ wird der zweite Totaltiefpunkt gesetzt.

Das nächste Jubiläum im Jahr 1999 bleibt dann eher eine Randnotiz. So plätschert die Serie über die Jahrtausendwende und ins neue Jahrzehnt hinein, und zwar auf mittelmäßigem Qualitätsniveau. Das Jahr 2004 verlief äußerst mager, lediglich 3 Hörspiele wurden veröffentlicht. Darunter „Das unheimliche Haus“, in dem es TKKG mit dem Fabelwesen „Yokototi“ zu tun bekommen und das gleichzeitig den dritten absoluten Tiefpunkt setzt. Die Hörspiele werden dominiert von „Amigos“, Gabys Gekreische und „Bussi-Bussi“-Generve. Von der Qualität der 80er Jahre ist nichts mehr übrig geblieben. Wichtigstes Ereignis in 2004 war daher zweifellos der Verlagswechsel von Pelikan zu CBJ.

2005 und 2006 erscheinen dann insgesamt noch einmal 6 Bände sowie der Kinofilm „Mindmachine“ Und während die „Mindmachine“ den geneigten TKKG-Fan etwas verstört zurücklässt, so ist bei den letzten Buchfolgen aus Kalmuczaks Feder Licht und Schatten dicht beieinander: TKKG verhindern einerseits Raketenangriffe (!), lösen andererseits aber auch wieder etwas bodenständigere Fälle.

Der Tod des Autors

2007 schließlich verstirbt Kalmuczak, nicht ohne zuvor mit Band 107 sein letztes TKKG-Abenteuer veröffentlicht zu haben. Schnell ist klar, dass zumindest die Hörspielserie weiterlebt: es erscheinen eine Fülle von Hörspielfolgen ohne Buchvorlage. Bei den Büchern dauert es dagegen länger, bis klar wird: auch hier geht es weiter. Neuer Autor ist Andre Kussmaul, der ein schweres Erbe antritt: Kalmuczaks Schreibstil und Erzählweise kann man offensichtlich nicht einfach so direkt kopieren – verständlich, irgendwie musste Kalmuczaks Erfolg ja auch begründet sein. Aber in den bisher zwei Bänden von Kussmaul werden trotzdem positive Trends deutlich: mehr Internet, mehr Raum für Karl und Klößchen, weniger Superheldentum. So kann es für meinen Geschmack durchaus weitergehen.

Im Einzelhandel haben sich die Bücher dagegen sehr rar gemacht in den letzten Jahren. In meiner Kindheit fanden sie sich an nahezu jeder Ecke: im Buchladen, im Kaufhaus, im Spielwarenladen, im Schreibwarengeschäft. Heute überall totale Fehlanzeige, es liegen allenfalls ein paar ältere Dreifachbände herum.

Wie geht es weiter?

Ich weiß es nicht. Der Verlagswechsel hin zu CBJ hat in dieser Hinsicht wohl nur wenig bewirkt. Findet sich CBJ damit ab, dass die Buchfolgen von Deutschlands ehemals erfolgreichster Jugendbuchserie nur noch ein Nischenprodukt sind und ihr die Hörspielserie längst den Rang abgelaufen hat ? Sollte CBJ nicht mehr Anstrengungen unternehmen, pro Jahr wieder 4 oder 5 Buchfolgen zu veröffentlichen und diese auch wieder sichtbar in den Einzelhandel zu bringen?

Porsche-Hubi